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Das andere Minsk

Exkursion durch eine Stadt, die neue Bedeutung gewonnen hat

Mit den Protesten 2020 ist Minsk ein anderes geworden: Nasha Niva nimmt uns mit durch die knapp zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt von Belarus. dekoder bringt die virtuelle Exkursion  auf Deutsch.

Im Zuge des letzten Jahres haben sich die Belarussen stark verändert. Nach so vielen Ereignissen, Enttäuschungen und Entdeckungen bleibt man unmöglich, wie man war. Auch Minsk hat sich verändert. Fährt man durch das Stadtzentrum, lauern überall Flashbacks: Dort fand der größte Marsch statt, da hing die riesige weiß-rot-weiße Flagge … Diese Erinnerungen können angenehm, aber auch bitter sein, in jedem Fall sind sie nun unsere Geschichte – und das, was uns stärker gemacht hat.

Nasha Niva hat Menschen getroffen, die zu unmittelbaren Teilnehmenden dieser historischen Ereignisse geworden sind, um mit ihnen über die neue Bedeutung verschiedener Punkte auf dem Stadtplan zu sprechen. Gemeinsam mit ihnen begeben wir uns auf einen Ausflug in einen kleinen Teil dieses für uns alle neuen Minsk.

Der Laden Symbal.by auf der Mascherawa war bei Touristen äußerst beliebt: Hier gab es belarusspezifische Memorabilia für jeden Geschmack – vom T-Shirt über Tassen bis hin zu Magneten. Auslöser der ersten Repressionswelle gegen die Firma war eine T-Shirt-Produktion im Juni 2020 mit der Aufschrift ПСІХОЗ% . Der Schriftzug bezog sich ironisch auf Lukaschenkas Aussagen zum Corona-Virus und auf die Wahlergebnisprognose, die im Volk kursierte [97 % gegen, 3 % für Lukaschenka]. Nach einer Reihe von Kontrollen musste der Laden schließlich seine Tätigkeit einstellen.

Später stellte sich heraus, dass es nicht nur an diesem konkreten T-Shirt lag: Die Razzien fanden überall statt, wo weiß-rot-weiße Flaggen oder Gegenstände mit Pahonja verkauft wurden.

Als Symbal.by die Schließung ankündigen musste, stellten sich die solidarischen Belarussen in einer langen Schlange an und kauften alle Restbestände. Die Warteschlangen wurden zu einem der Symbole der Solidarität: Dieselben Leute hatten sich auch schon angestellt, als Unterschriften für die Registrierung der alternativen Präsidentschaftskandidaten  gesammelt wurden oder als Einspruch beim Zentralen Wahlkomitee gegen die Ablehnung der Registrierung Viktar Babarykas und Walery Zapkalas eingelegt werden konnte.

Mikita Brouka, Mitgründer der Firma Symbal.by

„Wir hatten anderthalb Jahre nach einem passenden Geschäftsraum gesucht und zogen dann im Sommer 2017 hier auf der Mascherawa ein. Alles war in jahrelanger Arbeit mit Liebe gestaltet. Dank dem Engagement unseres Teams wurden wir zum ersten großen Shop, der auf solchem Niveau Gegenstände mit nationaler Symbolik verkaufte – mit Ladengeschäft, Webshop und ausländischen Kunden.

Als sich 2020 die Kontrollen aneinanderreihten, mal die Wirtschaftskriminalität, mal das Finanzamt, mal das Ministerium, und dann ein Teil unserer Waren und Dokumente konfisziert wurde, war klar, dass uns die Schließung bevorsteht. Ich nahm das philosophisch: Alles hat einen Anfang und ein Ende. Wenn du in Belarus unternehmerisch tätig bist, musst du immer auf ein jähes Ende gefasst sein. 

Symbal.by ist für mich ein Lebensabschnitt, eine Menge investierter Kraft und Emotionen, verlorener Nerven und euphorischer Momente. Nun ist es, so oder so, Geschichte, in die wir mit einem großen Beitrag zur Entwicklung der belarussischen nationalen Kultur eingegangen sind. Jeden Tag fahre ich an diesem Laden vorbei, der mir schon fremd geworden ist, und versuche positiv zu denken: Wenn sich alles geändert hat, eröffnen wir wieder. Und unbedingt mit größerer Fläche.”

Am 6. August sollte Swjatlana Zichanouskaja mit Maryja Kalesnikawa und Veranika Zapkala eine Wahlkampfveranstaltung im Park der Völkerfreundschaft abhalten, doch der Veranstaltungsort – und die letzten Flecken, die zuvor von alternativen Kandidaten genutzt werden konnten – wurden kurzfristig mit staatlichen Veranstaltungen belegt. Daher wurde beschlossen, eine dieser Veranstaltungen als Gäste zu besuchen: den Tag der offenen Tür der außerschulischen Bildungseinrichtungen auf dem Kiewer Platz. Tausende Belarussen kamen dorthin. Höhepunkt des Abends war erreicht, als die beiden offiziellen DJs – Kiryl Halanau und Ulad Sakalouski – für alle unerwartet das Lied Peremen von Viktor Zoi spielten .

Jana Smaljaha (Sängerin von Iva Sativa)

„Ich bin noch während des Studiums in dieses Stadtviertel gezogen, im dritten Studienjahr, und habe mich sofort verliebt. Damals war noch der große Springbrunnen in Betrieb, in den sich alle bei Hitze flüchteten. Man kann sagen, ich bin am Kiewer Platz erwachsen geworden. Nach einigen Umzügen bin ich mit meinem Mann wieder hierher gezogen, als ich mit Mikusch schwanger war. Mein Sohn hat hier Laufen gelernt, ist über die Reste des Springbrunnens geklettert. Wir haben immer gemeinsam Fliesenstückchen zu Türmchen gestapelt. 

Der Platz ist unser Ruheort, deshalb war es ungewöhnlich, am 6. August hier Hunderte Menschen zu sehen, Absperrungen, überall Polizei. Und ich höre bis heute Passanten hier am Platz sagen: ,Hier haben die DJs des Wandels Zoi aufgelegt, bei einer staatlichen Veranstaltung, das war cool.‘ Damals war alles super und feierlich. Heute liegt über allem Melancholie.”

Die Straße, die zu Ehren des Kampfpiloten Barys Akreszin benannt wurde, ist in Belarus mit Folter und menschlichem Leid assoziiert: Hier befindet sich die Untersuchungshaftanstalt, in die die Protestierenden gebracht wurden (und werden). Anstelle der sonst üblichen Haftbedingungen erhalten die „Politischen“ eine gesonderte Behandlung: keine Matratzen, keine Schlafplätze, keine peradatschas [Übergabe von Mitbringseln von Freunden und Verwandten].

Alena, Freiwillige

„Am 9. August wurde der Freund meiner besten Freundin festgenommen. Ich rief im Menschenrechtszentrum Wjasna an (zum Glück hatte ich am Vortag die Nummer gespeichert, denn das Internet funktionierte nicht), und dort wurde mir gesagt, dass wir am ehesten in der Akreszina suchen sollten. Wir gaben die Adresse der Haftanstalt ins Navi ein fuhren hin. Nur damit Sie es verstehen: Bis dahin hatte ich keine Ahnung, wo und was Akreszina ist. 

Im Laufe der Suche nach dem Freund der Freundin lernte ich die Freiwilligen dort kennen und blieb bei ihnen. Per Hand erstellten wir Listen der Verhafteten: Zuerst schrieben wir Listen mit Familiennamen derer, die von ihren Angehörigen gesucht wurden, dann übergaben wir sie dem Gefängnispersonal. Wir baten sie, die Listen mit Vermerken zurückzugeben: ein Kreuz für ,Person ist hier‘, ein Minus für ,ist nicht hier‘. Als langsam wieder Menschen freigelassen wurden, kam die Frage auf, wie sie ihre persönlichen Gegenstände zurückerhalten. Sie kamen so verängstigt und verstört heraus, dass sie sicher nicht noch einmal hinter den Zaun zurückkehren wollten, um ihre Taschen zu suchen, die alle auf einen Haufen geworfen worden waren. Wir mussten also helfen, diese Sachen zu sortieren. Die Gefängnismitarbeiter hatten auch begriffen, dass wir nützlich sein könnten, deshalb ließen sie uns hinter das verschlossene Tor. Den Gestank dort drin werde ich nie vergessen: eine Mischung aus Blut und Fäkalien. 

Diese knapp zwei Wochen Freiwilligenarbeit in Akreszina waren für mich eine Zeit des Schmerzes, aber auch der Liebe. Ich habe Angst in den Augen erwachsener Männer gesehen: starke, kluge, selbstbewusste Menschen wurden dort zu Krüppeln gemacht. Gleichzeitig habe ich Mädchen und Frauen gesehen, die Eisentüren aus den Angeln gehoben hätten, um ihre Lieben zu befreien.”

Seit 2020 ist dieser Punkt ein Ort der Trauer für Tausende Belarussen: Am 10. August wurde hier bei einer Protestaktion Aljaxandr Taraikouski ermordet. Zunächst hatte das Innenministerium mitgeteilt, dass er durch einen Sprengsatz gestorben sei, der in seinen Händen explodierte, bevor er ihn auf die Silawiki werfen konnte. Diese Information wurde jedoch durch ein in den Medien publiziertes Video und später auch durch die Ermittlungsbehörden widerlegt. Mittlerweile ist bekannt, dass Taraikouski durch den Durchschuss eines Gummigeschosses starb, allerdings wurde nie ein Strafverfahren wegen Mord oder Totschlag in der Sache eröffnet – ein Antrag der Familie wurde abgelehnt. Ebenso wurde den Angehörigen kein Einblick in die Untersuchungsakte gewährt.

Am Ausgang der Metrostation Puschkinskaja entstand bereits am 11. August ein spontaner nationaler Gedenkort. Noch immer bringen die Menschen Blumen zum Ort, an dem Aljaxandr ermordet wurde, die Stadtreinigung beseitigt sie mit der gleichen Beständigkeit. Für den Schriftzug „Wir vergessen nicht“ auf dem Gehweg neben dem Gedenkort wurden mehrere Menschen zu Strafen verurteilt.

Alena Herman, Ehefrau von Aljaxandr Taraikouski

„Früher sind Sascha, unsere Tochter und ich in diesem Viertel immer spazieren gegangen: Wir haben Tauben gefüttert, am Springbrunnen hinter McDonald’s gesessen, sind mit dem Roller oder Fahrrad herumgefahren. Sascha liebte es sehr, Zeit mit unserer Tochter zu verbringen. Es war, als würde er sich mit dem Leben beeilen: Selbst, wenn er geschafft von der Arbeit kam, sagte er, er würde sich zwar gern hinlegen, aber dann ziehe das Leben vorbei. Und ging dann wieder raus.  

Ich weiß, dass die Menschen nicht vergessen, was passiert ist; selbst wenn keine Blumen da sind. Ich fahre oft auf den Friedhof, weil ich dort mit meinen Gedanken allein sein kann. An Saschas Geburtstag bin ich gemeinsam mit unserer Tochter hingefahren. Ich habe ihr schon vor längerer Zeit erzählt, was passiert ist, aber sie versteht noch nicht ganz, was der Tod ist. Ich versuchte ihr zu erklären, dass Papa im Himmel ist und sich in einen Engel verwandelt hat, worauf sie antwortete: ,Ich möchte, dass mir Flügel wachsen und ich zu ihm fliegen kann.‘

Jeden Tag fahre ich auf dem Weg zur Arbeit an der Puschkinskaja vorbei und jedes Mal taucht vor meinen Augen dieser Moment des Schusses aus dem Video auf. Und der Tag der Beisetzung. Bis heute kann ich an diesem Ort nicht ruhig bleiben. Natürlich heilt die Zeit Wunden, ich lerne wieder zu leben … Aber seit Saschas Tod ist die Stadt im Grunde eine andere für mich geworden, irgendwie fremd.”

Am 12. August 2020 versammelten sich einige Hundert Belarussinnen mit Blumen in den Händen und Tränen in den Augen auf dem Kamarouski-Markt. Ihr Flashmob  löste eine landesweite Welle vielfältiger Aktionen gegen die Gewalt der Silawiki aus.

Karyna, Model, Bloggerin

„Wie viele andere, die in Minsk leben, kaufte ich nahezu wöchentlich Obst und Gemüse auf dem Kamarouka und schaute am indischen Stand vorbei. Dieser Ort war immer mit leckerem Essen verbunden.

Nach den Wahlen befand ich mich in einem solchen emotionalen Koma, dass ich mich kaum mehr erinnern kann, was mit mir als Individuum vor sich ging. Ich erinnere mich ausschließlich an die Ereignisse jener Tage: wie ich bei der Solidaritätsaktion an der Puschkinskaja war, wie ich nach Hause fahre, um zu duschen, und dann, wie ich am 12. August zur Aktion am Kamarouka gehe und dort eine Menge junger Frauen mit Blumen sehe. An diesem Tag hatten wir keine Angst. Ich war überzeugt, dass Frauen, die auf die Straße gehen, um sich einfach gegen Gewalt auszusprechen und die körperlich und seelisch Geschädigten zu unterstützen, nicht festgenommen werden würden. Die Gefangenentransporter [blr. Autasaki] kamen aber dennoch. 

Bis heute habe ich Flashbacks meiner Flucht durch die Reihen der Verkaufsstände des Kamarouka. Später fingen sie mich dann doch ein. Ich lebe weiter mit diesen unangenehmen Erinnerungen und einer universellen Empörung darüber, dass jemand sagen kann: ,Na, jetzt ist ja alles wieder ruhig und normal, Karyna.‘ Es ist nicht normal: Die Menschen werden nach wie vor erniedrigt und verhaftet. Nur geschieht es mittlerweile dosiert und leise.”

Von diesem Punkt gingen die ersten Menschenketten der Mediziner aus, die von den Einwohnern aus der Nachbarschaft (mit Wasser, Essen oder einer solidarischen Kette gegenüber) unterstützt wurden. Die Menschen in weißen Kitteln wurden zu bedeutenden Helden des Widerstands: Sie hatten keine Furcht, den Medien die Wahrheit zu erzählen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, und kündigten aus Solidarität mit entlassenen Kollegen selbst.

Nadseja, Ärztin

„Diese Straße und die Uni meines Mannes wurden für mich zu einem Ort, an dem ich wunderbare Menschen kennengelernt habe – Kollegen und Studenten, Unidozenten, mit denen wir gemeinsam in dieser Kette gegen Gewalt standen. Wir fühlten diese Einheit: Wir, Mediziner unterschiedlichsten Alters, gehen auf die Straße, weil wir nicht stillschweigend beobachten können, was da in unserem Land passiert. Wir hatten keine Angst, denn für uns zählen der menschliche Körper und die Gesundheit, und diese Schätze gilt es zu bewahren. Schade, dass mittlerweile viele Kollegen erfolgreich eingeschüchtert worden sind. Und auch wir zeigen schon viel weniger Solidarität, selbst im professionellen Umfeld, wenn einer von uns entlassen wird.”

Am 16. August 2020 fand hier die größte Massenprotestaktion in der Geschichte von Belarus statt: Mehrere Hunderttausend Menschen versammelten sich zum Freiheitsmarsch. Auch an den folgenden Sonntagen trafen sich die Menschen immer wieder friedlich an der Stele, bis die Silawiki den Zugang zum Zentrum blockierten und der Befehl zur strengen Verhaftung und Auflösung erneuert wurde.

Natallja Dulina, ehemalige Dozentin der Minsker Linguistischen Universität (MDLU)

„Es klingt vielleicht seltsam, aber bis 2020 war ich noch nie direkt an der Stele gewesen, höchstens mal vorbeigefahren. Auch im Museum des Vaterländischen Krieges [direkt daneben, Anm. d. Ü.] war ich noch nie. Mein Großvater war als Panzerfahrer im Krieg, meine Großmutter war evakuiert, meine Mutter wurde in der Kriegszeit geboren und so kannte ich den Maßstab dieser Tragödie aus erster Hand. Doch Erinnerung – das sind für mich keine großen Denkmäler und noch viel weniger Paraden. Möglicherweise meide ich das Kriegsthema in seiner aktuellen Darstellungsform auch, weil ich es nicht mag, wenn es zur Rechtfertigung jeglicher Probleme im Land herangezogen wird: ,Hauptsache kein Krieg‘ .

Zum ersten Mal lief ich hier also gemeinsam mit Hunderttausenden Belarussen in einem friedlichen Aufbruch – ein unvergessliches Gefühl. Wissen Sie, es kommt vor, dass ein Geruch eine Erinnerung hervorruft, du riechst etwas und sofort erscheint ein Bild vor dem inneren Auge. So ist es bei mir mit diesem Ort: Vor meinen Augen wogt nicht nur die Menschenmenge vorbei, sondern es erscheint auch der Moment, wie wir im Anschluss an den Marsch nach Hause liefen. Kaum jemand war noch hier, aber überall auf dem Weg kreative Plakate, Fähnchen an Bäumen und Masten. Und du läufst mit dem Gefühl der Zufriedenheit über das Getane.

Zu all diesen Emotionen kommt natürlich der Ärger hinzu, weil wir uns erst einmal nicht mehr so versammeln können. Wir müssen aber weiterhin zeigen, dass der Widerstand nicht gebrochen ist, dass unsere Forderungen Bestand haben.”

Am 17. August verfolgten die Belarussen mit angehaltenem Atem die Ereignisse in den Fabriken, die einen landesweiten Streik angekündigt hatten. Zum Höhepunkt wurde der Besuch Aljaxandr Lukaschenkas im MSKZ, wo er während seiner Rede von der Tribüne von den Arbeitern davor zu hören bekam: „Hau ab!“ Lukaschenkas Hubschrauber wurde mit Pfeifen und Protestrufen verabschiedet.

Ehemalige Mitarbeiter des MSKZ, von links nach rechts: Aljaxandr (Ingenieur), Viktar (Maschinenschlosser), Smizer (Technologe)

Aljaxandr, Viktar und Smizer waren an jenem Tag in der Fabrik. Sie haben dem MSKZ acht Jahre ihres Lebens gewidmet und wurden nach dem Versuch, das „Volksultimatum“ zu unterstützen, entlassen. Die Männer berichten, dass sie ihre Arbeit liebten, die Leitung aber nur jene mochte, die ihre politische Meinung nicht zeigten, sofern sie der ideologisch richtigen nicht entsprach. So wurden Ingenieure und Maschinenbauer, ungeachtet ihrer beruflichen Leistungen entlassen – auch bereits lange vor dem Jahr 2020.

„Am 11. August kam ich wie immer zur Schicht. Das Internet funktionierte wieder, alle wussten über die Gewalt und die Ereignisse Bescheid. Mit dieser Last auf der Seele konnte ich nicht arbeiten. Die Leute teilten sich in die, denen nicht alles egal ist, und die Gleichgültigen. Erstere wollten alles tun, was rechtlich möglich war: Unterschriften in der Arbeiterschaft sammeln, die einen Streik unterstützen. Doch selbst diese Umfrage erlaubte die Verwaltung uns nicht, um das Werksgelände herum patrouillierte Polizei”, erinnert sich Viktar. 

Am 26. Oktober, dem letzten Tag des „Volksultimatums“, liefen etwa 40 Mitarbeiter des MSKZ mit Transparenten durch das Werk und riefen „Schließt euch an!“

„Für mich war es eine Prinzipienfrage: Besser einen Tag Angst, als später das ganze Leben ein schlechtes Gewissen. Besonders angesichts der großartigen Menschen in den anderen Werken, die wir im Zuge dieser traurigen Ereignisse kennengelernt und gemeinsam versucht hatten, eine eigene Gruppe in der Freien Gewerkschaft der Metallarbeiter zu gründen. Am 26. erwartete uns dann die komplette Ernüchterung: als wir an diesem Tag im Pulk durch das Werk zogen und die anderen aufriefen, sich uns anzuschließen, wandten sich die Kollegen einfach ab. Innerhalb weniger Tage wurden dann alle entlassen, die in Erscheinung getreten waren”, erzählt Aljaxandr.

Aljaxandr, Viktar und Smizer haben innerhalb weniger Monate neue Anstellungen in ihren jeweiligen Berufen in Privatunternehmen gefunden. Von Bekannten, die weiterhin im MSKZ arbeiten, wissen sie, dass hinter dem Werkszaun weiterhin Druck auf alle ausgeübt wird, die sich in irgendeiner Weise hervortun oder Medienanfragen beantworten.

„Wir sind unseren Kollegen und diesem konkreten Ort gegenüber nicht böse eingestellt. Vielleicht begreifen es die Leute ja eines Tages noch. Aber wenn nicht, dann eben nicht. Heute ist dieser Punkt auf der Karte für uns leider nur noch der ehemalige Arbeitsort. Und es ist traurig mitanzusehen, wie das Unternehmen vor unseren Augen zerfällt, unter anderem, weil aus politischen Motiven die Besten entlassen werden”, kommentieren unsere Gesprächspartner.

Im September 2020 sollte das Kupala-Theater mit einigen Premieren sein 100-jähriges Bestehen feiern. Nach den Wahlen entließ das Kulturministerium jedoch zunächst den Direktor Pawel Latuschka, der die Gewalt gegenüber den Protestierenden verurteilt hatte, woraufhin schließlich auch ein großer Teil des Ensembles kündigte, da es nicht bereit war, auf der Bühne zu spielen, während gleichzeitig im ganzen Land Massenproteste stattfanden. Anschließend gründete das Ensemble das unabhängige Projekt Kupalauzy.

Kryszina Drobysch, Schauspielerin

„Das Kupala-Theater war nicht einfach ein Arbeitsort oder ein Eintrag im Sozialversicherungsbüchlein von 2013. Es war für mich und die anderen Schauspieler das zweite Zuhause. 2020 probten wir gerade das Stück En souvenir de Chagall über Marc Chagall, und ich verließ das Theater kaum noch. Sogar Wechselsachen hatte ich schon dort. Mit all seinen Schwierigkeiten war das Theater doch der Ort, an dem du auftanken und dich stärken konntest, um weiterzuleben. Gerade deshalb musste ich vor der Entscheidung zu kündigen, erst einmal 15 Kilometer zu Fuß quer durch die Stadt laufen. 

Das Gebäude auf der Engels-Straße hat nicht aufgehört, mein Zuhause zu sein. Ich gehe natürlich nicht hinein, ich besuche die jetzigen Aufführungen nicht als Zuschauerin und parke auch prinzipiell nicht in der Nähe. Aber manchmal fahre ich scheinbar mit Absicht daran vorbei, um das Theater zu sehen und zu fragen: ,Hey, grüß dich, wie geht’s?‘ Für mich hat das Theater etwas Elterliches. Die Eltern lassen ihre Kinder auch irgendwann frei in die Welt ziehen, damit sie ihren eigenen Weg finden können. Und danach kehren die Kinder zurück und sind dankbar für alles. Oder auch ganz anders: Mein Haus wird gerade vermietet, es leben andere Menschen darin, aber dadurch hört das Theater nicht auf, mein Zuhause zu sein.”

Die Märsche und Aktionen der Studenten haben die allgemeine Welle des Widerstandes verlängert. Am 1. September, dem Tag des Wissens, gingen Hunderte Studenten auf die Straßen und forderten faire Wahlen und ein Ende der Gewalt. Schon damals wurde klar, dass sie auch vor „Kindern“ keinen Halt machen würden. Sofort begannen Massenverhaftungen. Sie wurden später direkt in den Universitäten fortgesetzt, ebenso Exmatrikulationen, administrative Festnahmen und Entlassungen betroffener Dozenten. Der schwärzeste Tag für die Studentenschaft war der 12. November, an dem elf Personen auf einmal verhaftet wurden. Gegen sie wurden Strafverfahren eröffnet.

Aryna Karschunowa, ehemalige Studentin der Fakultät Philosophie und Sozialwissenschaften, Aktivistin

„An mein erstes Studienjahr an der Philosophischen Fakultät denke ich sehr positiv zurück. Ich erinnere mich an meine wunderbaren Kommilitonen und an den Respekt vor den Dozenten. Im ersten Jahr wussten wir noch nicht, wer wer ist. Die ersten Erinnerungen an die Uni sind also voller Wärme. Danach ging es dann bergab. Zuerst entschied ich, ins Fernstudium zu wechseln, weil ich das Gefühl hatte, dass Philosophie die ganze Welt bedeutet. Und im Hörsaal zu sitzen erschien mir uninteressant.

Nach den Ereignissen 2020 sah ich dann auch keinen Sinn mehr im Fernstudium: Die Dozenten erzählten uns von der großen Aufgabe der Philosophen, die Welt zu verändern, hatten in der großen Mehrheit aber in keiner Weise selbst zur Veränderung beigetragen. Sie schwiegen nur. Ich hatte kein Bedürfnis mehr, bei diesen Menschen weiter zu studieren und meldete mich vom Studium ab. Was können sie mir denn beibringen?

Wenn ich jetzt an meiner Alma Mater vorbeifahre, muss ich an meine Kommilitonin Xjuscha Syramalot denken, die wegen der ,Studentensache‘ einsitzt: Was machen sie dort, hinter Gittern? Sitzt sie in der Zelle oder läuft sie im Hof?”

„Bis zum Sommer 2020 kannten wir einander nicht“ – dieser Satz  trifft für viele Belarussen zu. Erst durch die Solidaritätsketten in den Stadtteilen, später die Hinterhofmärsche und gemeinsames Teetrinken im Hof lernten Nachbarn einander endlich kennen. In vielen Stadtteilen wurden lokale Konzerte  organisiert, bei denen Bands, Theatergruppen und Vorleser auftraten. Unter vielen anderen stehen Nowaja Barawaja, Serabranka, Kaskad, Hruschauka, Asmalouka und Scharyki als Symbole für Zusammenhalt. Für ihre Aktivitäten wurden sie als „destruktiv“ gelistet und unter zusätzliche Polizeibeobachtung gestellt. Musiker und Zuschauer wurden direkt während der Veranstaltungen festgenommen.

Smizer, Bewohner von Kaskad

„Wir sind 2014 im Kaskad eingezogen. Das Angebot unterschied sich maßgeblich von dem, was zu dieser Zeit in Minsk gebaut wurde. Die Häuser hier stehen weit entfernt von der Straße, es gibt ausreichend Platz zwischen den Hochhäusern, es ist sicher für die Kinder.

Interessanterweise gab es bis 2020 kaum engere Kontakte zwischen den Nachbarn. Selbst wenn die Kinder in denselben Kindergarten gingen, beschränkte sich die Kommunikation oft auf die Fragen der Verpflegung, was man wann und wohin mitbringen musste. 2019 bin ich noch ganz still über den Hof gegangen, aber jetzt komme ich kaum mit dem Grüßen hinterher, wenn ich rausgehe.

26 Jahre lang wurde versucht, eine Gesellschaft zu schaffen, die in ganz kleine Zellen unterteilt ist. Der Staat wollte nicht, dass wir uns zu großen Gruppen vereinigen, die Interessen vertreten: mit einer zersplitterten grauen Masse ist es einfacher.

Wir sind kein Protestviertel, wir wollten nur an einem bestimmten Punkt mehr übereinander erfahren. Uns lag einfach an Kommunikation an sich. Doch es zeigte sich, dass wir nicht einfach in Ruhe, ohne Festnahmen, in unserem Hof gemeinsam mit den Nachbarn Tee trinken können. Kaskad wurde verstärkt kontrolliert und auf die Liste der sogenannten ,Protestghettos‘ gesetzt. Vom ersten Tag an hat das aber keine Angst, sondern nur Gelächter erzeugt.

Leider mussten einige Nachbarn Belarus verlassen – das macht traurig. Ich selbst habe im Moment nicht vor wegzugehen: Wenn Kaskad früher nur eine Meldeadresse war und im Grunde nicht so bedeutend, dann habe ich jetzt erfahren, was für gute Menschen hier bei mir nebenan wohnen. Das bedeutet sehr viel.”

Für einige Zeit blieben die Kundgebungen der Frauen in Belarus fast unangetastet, aber sehr bald schon fand man sich für Blumen in den Händen oder ein rotes Kleid am Körper schnell im Autasak (und im Akreszina-Gefängnis) wieder. Auf dem Platz der Freiheit fand eine der brutalsten Niederschlagungen der Frauenproteste statt. Die Silawiki umzingelten die Frauen und trieben sie mit Spezialtechnik zusammen.

Swjatlana, Künstlerin und Projektmanagerin

„Früher war der Platz der Freiheit einer meiner Lieblingsorte in der Stadt. Als ich beispielsweise für das Festival Monat der Fotografie in Minsk arbeitete, projizierten wir vor dem Rathaus Bilder eines französischen Fotografen. Es ging immer um Freiheit und Beteiligung am Stadtleben und deren Entwicklung.

Bei diesem Frauenmarsch hatte ich Glück: Ich stand in der zweiten Reihe der Menschenkette. Als die Silawiki begannen, alle zum Café mit der Terrasse abzudrängen, fasste ich die Frau, die vor mir in der ersten Reihe stand, am Gürtel. Einer der Silawiki drückte ihr gegen den Kopf und versuchte, die aus der Kette zu ziehen. Mich zog er an der Flagge, die ich um den Hals gebunden trug. Er wollte uns scheinbar ,herausreißen‘. Doch es gelang nicht: als sie weiter gegen uns drückten, entkam ich mit anderen Frauen über die Terrasse. Die nicht Verhafteten setzten den Marsch fort.

Ungeachtet dieser Episode liebe ich diesen Ort noch immer. Und wenn ich vorbeifahre, erinnere ich mich, wie die Märsche dort entlang wogten und wie ich dort persönlich meine Freiheit verteidigt habe.”

Sie war der Sammelpunkt für die „Märsche der Weisheit“, an denen Rentner und auch Menschen mit Behinderungen teilnahmen. Für einige Zeit der Ort der besten und musikalischsten Aktionen: hier wurde Kupalinka gesunden und Lyrik rezitiert.

Nina Bahinskaja, Rentnerin und Aktivistin

„Der Platz vor der Roten Kirche war für mich immer mit der Wiedergeburt Belarus‘ assoziiert: unter dem Dach des Kinos trafen sich seinerzeit verschiedene Jugendgruppen, die davon träumten, die belarussische Sprache und Kultur wiederauferstehen zu lassen. Sie trafen sich, tauschten Informationen, Literatur, Flugblätter. Auf dem heutigen Platz der Unabhängigkeit trafen wir uns zu wichtigen historischen Feiertagen, Jubiläen von Personen aus dem Kulturleben, zum Tag der Unabhängigkeit, bis Lukaschenka an die Macht kam und uns gewaltsam auseinandertreiben und verhaften ließ.

Über viele Jahre hinweg hatten die Menschen Angst und nur Einzelne kämpften weiter, deshalb war ich unglaublich bewegt und froh, als sich eine neue Welle junger (wenn auch russischsprachiger) Leute unter unserer Flagge erhob. Dann schlossen sich auch die Rentner an. Ich sagte ihnen immer wieder und tue das auch noch: Die Jugendlichen müssen noch lernen, sie haben keine Rente. Wenn die jungen Menschen aber das Land verlassen, wird es auch keinen Rentenkassen mehr geben. Wir sind alle füreinander verantwortlich. 

Immer, wenn ich herkomme, denke ich gern an unsere Kreistänze und das gemeinsame Singen zurück … Aber auch an die Repressionen, daran, dass der OMON mir meine Fahne wegnahm. Trotzdem glaube ich daran, dass der Maidan Nesawissimosti (dt. Platz der Unabhängigkeit) und auch die anderen Orte wieder uns gehören werden.”

Nach den Wahlen gingen die Belarussen jeden Sonntag zu den großen Protestmärschen, als würden sie zur Arbeit gehen. Und die Machthaber schlossen, einer Tradition gleich, die Metrostationen und kappten das Internet. Am 25. Oktober fand ein Marsch unter dem Motto Ultimatum des Volkes statt. Von der Stele aus gingen die Menschen bis zur Arlouka, wo sie vor dem Platz der Unabhängigkeit auf Silawiki-Stellungen trafen. Es begann eine der schrecklichsten Hetzjagden mit Kugeln und Blendgranaten.

Aljaxandra Babkowa, ehemalige Regisseurin bei BT, Motion-Designerin

„Etwa ab der 9. Klasse fuhr ich zur 73. Schule die Arlouskaja entlang. Das war ein langer, unangenehmer Weg morgens, ständig war Stau. Als ich später begann, an der Kunstakademie zu studieren, fuhr ich dort entlang, wenn ich Unterricht in der Surhanawa hatte. Außerdem habe ich selbst mal in so einem zweistöckigen Haus gewohnt, wie sie an der Arlouskaja stehen. Sie gaben mir immer ein Gefühl von Zuhause. Deshalb ist es eine Beleidigung, dass meine Mutter und ich in so einem netten Häuschen festgenommen wurden, als der Marsch auf der Arlouskaja auseinandergetrieben wurde. Wir hatten uns vor den Silawiki in einem Hauseingang versteckt, aber eine ältere Anwohnerin hat uns verraten. 

Wenn ich heute hier vorbeifahre, denken wir ausschließlich an unsere Verhaftung, den Gerichtsprozess und die Strafen, die darauf folgten. Und an die Geräusche, die Blendgranaten in der Luft machen. Es gibt aber auch etwas, wofür ich diesem Tag und diesem Ort dankbar bin: für meine neue Freundin, Künstlerin und Keramikerin, die ich in der Gefängniszelle kennengelernt habe.“

Es gibt in der Stadt dutzende Zäune, über die von Silawiki in die Enge getriebene Belarussen klettern mussten. Dieser Zaun wurde zur Ursache vieler Verhaftungen, weil ihn viele Menschen beim Marsch nach Kurapaty an Allerheiligen (Dsjady) nicht schnell genug überwinden konnten. An diesem Tag wurde fast allen Festgenommenen sofort ein Strafverfahren eröffnet – mehr als 200 an einem Abend.

Wjatschaslau (da sein Gerichtsprozess noch läuft, zeigen wir aus Sicherheitsgründen sein Gesicht nicht)

„Ich hatte mal eine Verabredung mit einem Mädchen hier in der Gegend. Seit meiner Festnahme meide ich nun den Ort: wenn ich ihn sehe, rast sofort mein Puls. Ich habe oft davon geträumt, wie ich meinen Leuten zurufe, sie sollen sich in Sicherheit bringen, wie wir den Mädchen Räuberleiter geben. Dann wirst du verhaftet und weißt nicht, was weiter passiert ist: Du hast Angst um deine Freunde – haben es alle geschafft abzuhauen? Diesem Tag verdanke ich die Einsicht, wie wertvoll unsere Freiheit doch ist. Jeder muss entscheiden, wie viel er bereit ist dafür zu geben. Der Sieg wird kommen.”

Der Innenhof zwischen den Straßen Smarhouski Trakt und Tscharwjakowa wurde dank dem legendären Graffiti mit den DJs des Wandels schlagartig berühmt, das mehr als zehn Mal überstrichen und wieder erneuert wurde. Auch viele geniale Konzerte fanden hier statt.

Die Konfrontation der Anwohner des Platzes des Wandels mit Polizei und Kommunalbetrieben um das Recht, ihren Hof nach eigenem Geschmack gestalten zu dürfen, führte zunächst zu einer Rund-um-die-Uhr-Bewachung, später zu Festnahmen. Und genau hier wurde auch der Baumpfleger und jetzige politische Häftling Szjapan Latypau beim Versuch, das Graffito zu schützen verhaftet.

Am 12. November 2020 wurde hier Raman Bandarenka entführt und zu Tode geprügelt, nachdem er Unbekannte daran hindern wollte, weiß-rot-weiße Stoffbänder abzuschneiden. Für den Mord an Roma wurde bislang niemand zur Verantwortung gezogen, allerdings erhielten die Tut.by-Journalistin Kazjaryna Barysewitsch und der Arzt Arzjom Sarokin Haftstrafen für die Veröffentlichung der Information, dass Raman zum Zeitpunkt des Todes Null Promille Alkohol im Blut hatte. Auch die BelsatJournalistinnen Kazjaryna Andrejewa und Darja Tschulzowa sitzen in Lagerhaft für eine Reportage über eine Gedenkaktion am Platz des Wandels.

Alena, Raman Bandarenkas Mutter

„Dieser Ort ist für mich ein Symbol für Roma. Hier war er zum letzten Mal lebendig – so, wie ich ihn sein ganzes Leben kannte. Roma mied Konflikte, hatte einen Sinn für Gerechtigkeit und war immer bereit zu helfen. Ich denke, dass er an diesem Abend rausgegangen ist, um im Fall einer potenziellen Gefahr vor Ort zu sein. 

Der Platz des Wandels ruft bei mir zwiespältige Emotionen hervor. Einerseits kam Roma gern hierher, es gab und gibt hier eine Menge junge positive Energie, hier leben großartige, progressive Leute. Hier war er glücklich. Andererseits ist es ein Ort des Schmerzes. Hier hat sich Schreckliches ereignet, das die Schicksale vieler Menschen beeinflusst. Der Platz ist zum Ort der Ungerechtigkeit und meiner inneren Entrüstung geworden. Entrüstung darüber, dass ich nicht einfach herkommen und an diesem Ort das Andenken meines Sohnes ehren kann. Erst fünf Monate nach Romas Tod konnte ich herkommen, hier stehen, mit den Menschen sprechen, die Roma kannten und liebten. Immer wenn ich mich hier aufhalte, überwältigen mich die Gefühle und ich habe Tränen in den Augen.”

Hinweis der Redaktion: Bei Texten, die im Original in Belarussisch verfasst sind, übertragen wir Namen, Ortsbezeichnungen etc. aus dem Belarussischen. Bei russischsprachigen Texten entsprechend aus dem Russischen.

Veröffentlicht am 8. Juli 2021
Original: Іншы Мінск 
Text: Kazjaryna Karpizkaja
Porträtfotos: Nadseja Bushan
Archivfotos: Nadseja Bushan, Schura Pilipowitsch-Suschtschyz, Kazjaryna Karpizkaja
Übersetzung aus dem Belarussischen: Tina Wünschmann
Gestaltung für dekoder: Daniel Marcus