dekoder | Russland entschlüsseln
Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen
Universität Hamburg
Truppenabzug 1991–1994
Die frühere Sowjetarmee verlässt Ostdeutschland

Die Etappen des Abzugs

In keinem anderen Land des Warschauer Paktes hatten die Sowjets so viel Militär stationiert wie in der DDR. Das Gebiet war mit Militäranlagen der Westgruppe übersät, die zudem ein weitläufiges Netz von rund 11.000 Kilometern an Kolonnenwegen für ihre Fahrten nutzte.
Die Sowjetunion war nach dem Sieg über Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg zunächst Herr über die sowjetische Besatzungszone geworden und ab 1949 Besatzungsmacht der DDR. Das kleinere Deutschland wurde für sie zum zentralen strategischen Vorposten im Kalten Krieg: Auf den Stützpunkten bestand ständige Bereitschaft zum Kampf gegen die Supermacht USA, „an der Frontlinie eines künftigen Krieges, den es zu vermeiden galt, der aber Tag für Tag real geübt wurde“*. Bereitschaft aber auch gegen mögliche Aufrührer im Inneren des Landes. Das hatte der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gezeigt. 1989 blieben die Panzer in den Kasernen.

Nach der deutschen Einigung begann das Abrückmanöver. Dafür legten die Sowjets im Januar 1991 einen Plan vor, wonach jedes Jahr 30 Prozent an Truppen und Technik verlegt werden sollten. Das geschah schließlich per Flugzeug, Zug und Schiff. Der Rest sollte 1994 folgen.
In Ostdeutschland befanden sich rund 550.000 Armeeangehörige und ihre Verwandten, darunter rund 90.000 Kinder, außerdem Kriegsgerät, Munition und technische Anlagen. Mit Stand 1991 verfügte die UdSSR über rund 243.000 Hektar Fläche in der einstigen DDR, das entsprach etwa 2,2 Prozent.
Die Dynamik, wie der Abzug vonstatten gehen sollte, visualisiert unsere interaktive Karte, die mit den Plandaten der Sowjets arbeitet und das Ausmaß dieser Truppenbewegung zeigt.

*Morré, Jörg/Blank, Margot (2016): Einführung, aus: Der Abzug: Die letzten Jahre der russischen Truppen in Deutschland, Berlin

((PLATZHALTER))

*geschätzte Näherungswerte

Kartenvisualisierung: Daniel Marcus
Quellen: BArch BW 55/100 (Dank an Matthias Karthe für die Bereitstellung der digitalisierten Abzugspläne), BArch BW 55/92a, BArch BW 55/99, Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst
Icons: Freepik/flaticon.com, MCruz/Wikimedia (CC BY-SA 4.0)